Über die Bedeutung zellwandfreier Bakterienformen (CWD)
auch in Bezug auf (Para-)Tuberkulose, Morbus Crohn und BSE

von

Dr.Dr.
Peter Schneider

Tierarzt und Anthropologe
Maldonado, Uruguay; Email: peter@pferdemedizin.com

Homepage: http://www.pferdemedizin.com

Kontakt: per Email oder Telefon (04251 7524, zum deutschen Festnetztarif)

 

 das Buch zur Homepage: "Gedanken altern nicht"
(3. erw. Auflage 2010, ISBN: 978-3-8334-5446-2)

 "Leitfaden für eine naturheilkundliche Brustkrebstherapie"
(2. Auflage 2008, ISBN: 978-3-8334-9271-6)

  elektronische Bücher (eBooks)

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Copyright© 2000 by Peter Schneider


 

Inhalt

 

Einleitung

Charakterisierung des Milieus, unter dem sich CWD vermehren

Beziehungen zwischen zellwandfreien Bakterienformen, (Para-)Tuberkulose, Morbus Crohn und BSE

Therapie zellwandfreier Bakterienformen

Zusammenfassung

Summary

Literatur


 

Einleitung

 

Obwohl bereits vor Jahrzehnten nachgewiesen wurde, dass es Strukturen in warmblütigen Organismen gibt, die bestimmten Entwicklungsstufen von Bakterien entsprechen (Lymeinfo, MacDonald 2008a und 2008b; Allen et al., 2009), beruht die heutige konventionelle Therapie bakterieller Infektionen im wesentlichen immer noch auf der Erkenntnis Pasteurs, dass Bakterien monomorph und unwandelbar seien und möglichst abgetötet werden müssen.

 

In Laboruntersuchungen, die von Dell'Era et al. (2009) an der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, Schweiz, an krankmachenden Listeriose-Bakterien (Listeria monocytogenes) durchgeführt wurden, konnte gezeigt werden, dass zellwandfreie Listerien aus einem normalen Stamm unter Zugabe von Penicillin gezüchtet und in Milch ohne Antibiotikazusatz weiter kultiviert werden können. Auch als zellwandfreie Form behielten die Bakterien ihre krankmachende Wirkung.

 

Neue Studien an Colibakterien zeigen, dass diese sich unter normalerweise tödlichen Umgebungsbedingungen in zellwandfreie Formen umwandeln, die dann z.B. eine Wärmebehandlung überleben können (Markova et al., 2010).

 

In der Tiermedizin hat es nicht an Bestrebungen gefehlt, die Leistung des Abwehrsystems von Tieren zur Überwindung von bakteriellen Infektionen z.B. durch Optimierung von Fütterung und Haltung und/oder durch den Einsatz naturheilkundlicher Verfahren zu nutzen.

 

Dennoch scheint sich erst im Zeitalter der starken Resistenzbildung von Mikroorganismen gegenüber Antibiotika allmählich die Erkenntnis durchzusetzen, dass eine ungezielte Antibiotikatherapie vor allem in Milchkuhbeständen mit subklinischer Mastitis die Probleme oft nur verschleiert oder sogar verschlimmert.

 

Auch in der Humanmedizin hat sich die Problematik der Resistenzbildung von Bakterien (hauptsächlich Staphylococcus aureus und Enterokokken) gegenüber Antibiotika in den letzten 15 Jahren sehr verschärft (s.a. den Artikel "Antibiotikaresistenz - Neue multiresistente Erreger", den Antibiotika-Resistenzatlas "GERMAP 2008" sowie die Artikel "Killerkeime breiten sich in Kliniken und Städten aus" in DIE WELT vom 9. März 2006, "Aus harmlosen Bakterien werden gefährliche Killer" in DIE WELT vom 31. März 2008, "Gefahr aus deutschen Schweineställen" in DIE WELT vom 6. Mai 2008).

 

Auf deutschen Intensivstationen breiten sich seit einigen Jahren Erreger aus, gegen die herkömmliche Antibiotika nicht wirken: Der Anteil besonders widerstandsfähiger Kolibakterien etwa verzehnfachte sich innerhalb von acht Jahren. Infektionen mit dem multiresistenten Erreger Staphylococcos aureus (MRSA) dagegen nehmen langsam ab (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).


Eine Untersuchung von Markova et al. (2008) zeigt, dass die Antibiotikaresistenz von Staph. aureus möglicherweise mit der Bildung von zellwandfreien Bakterienformen zusammenhängt.

 

Inzwischen warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einem "post-antibiotischen Zeitalter (SPIEGEL-ONLINE vom 07.04.2011).
Es ist zwar ein natürlicher Vorgang, dass Bakterien unempfindlich gegen Antibiotika werden; doch aktuell tragen viele Umstände dazu bei, dass dieser Prozess besonders schnell abläuft. So sind in vielen Ländern Antibiotika ohne Rezept frei erhältlich, und durch ihre nicht sachgerechte Anwendung entstehen viele Resistenzen.

 

Das Resistenzgen NDM-1 wird vor allem über das Wasser übertragen; bei einer Wassertemperatur von 30°C springt dieses Gen besonders gut von einem Bakterium auf ein anderes.

 

Übrigens können auch andere Naturstoffe zur Resistenzbildung von Bakterien führen. So kann Teebaumöl, in niedriger, subletaler Konzentration angewandt, die Vermehrung von antibiotikaresistenten pathogenen Bakterien fördern (McMahon et al., 2007 a).

 

In Großbritannien nimmt die Tuberkulose bei Rindern und anderen Tieren (z.B. Dachsen und Katzen) zur Zeit dramatisch zu (Animal Health Online, "Farmers Guardian" vom 3. Oktober 2008"). Nach "Farmers Guardian" wurden dort im ersten Halbjahr 2008 bereits 20.000 Rinder im Rahmen der Tuberkulosebekämpfung getötet. Dies ist ein Anstieg von 44% im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum.

 

Nach einer neuen Untersuchung aus Bayern (nordbayern.de vom 4.3.2013) weitet sich die Rindertuberkulose z. Zt. auch im Allgäu aus.

 

Auch bei Menschen steigt die Tuberkulosehäufigkeit in Europa stark an (z.B. ORF und WELT). Für das Jahr 2011 wurden in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 4.317 Tuberkulosen registriert, davon starben 162 Erkrankte; in 2010 waren es 4.388 Erkrankungen, darunter 161 Todesfälle.

Weltweit werden vermutlich die "weitgehend arzneimittelresistenten Tuberkulosebakterien" (XDR-TB) zukünftig eine große Herausforderung für die Medizin darstellen. Infektionen mit diesen Bakterien sind mit konventionellen Mitteln zur Zeit praktisch nicht behandelbar und enden zu 80% tödlich.

 

Die Problematik wird noch dadurch verschärft, dass es offensichtlich multiresistente Tuberkulosebakterien gibt, die zusätzlich von dem Standardantibiotikum Rifampicin abhängig sind (Zhong et al., 2010). Wurde dieses Mittel bei einem Patienten gegen seine Tuberkulose eingesetzt, ging es ihm schlechter; erst als das Mittel abgesetzt wurde, konnte er geheilt werden. Die Antibiotikaabhängigkeit der Bakterien wurde im Labor bestätigt. Wurde ihnen das Antibiotikum entzogen, wuchsen sie in atypischer Form.

 

Offenbar beginnen Bakterien zur Zeit, Antibiotika als obligatorische Nahrungsquelle zu erschließen. Würde sich diese Vermutung bewahrheiten, hätte es dramatische Auswirkungen auf die Therapie mit Antibiotika. Bakterien sind nämlich in der Lage, ihre Resistenzgene zwischen verschiedenen Arten auszutauschen. Antibiotika dürften daher zukünftig überhaupt nicht mehr prophylaktisch und therapeutisch nur noch mit strengster Indikationsstellung eingesetzt werden. Andernfalls würden Antibiotika die pathogenen Bakterien regelrecht füttern.

Im übrigen werden zellwandfreie Mycobakterien seit langem als Cofaktor, wenn nicht sogar als Hauptursache von AIDS diskutiert (Broxmeyer u. Cantwell, 2008; siehe auch die Weltverteilung der Tuberkulose auf worldmapper.org).

 

Insgesamt kommt eine neue Untersuchung von Domingue (2010) zu dem Ergebnis, dass atypische, pleomorphe Bakterien die Ursache für viele schwer zu diagnostizierende Krankheiten des Menschen sind ("Highly relevant, newly published data on modifications of gene expression, modes of division for stressed bacteria, and the paradoxical finding of peptidoglycan in L-forms are pertinent to the hypothesis that atypical, pleomorphic bacteria are the organisms operative in persistence and expression of pathology over a wide spectrum of diagnostically troublesome human diseases."). 

 

Wie neuere wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben, bestehen die Körperzellen von Menschen und Tieren aus symbiotisch lebenden Bakterien (siehe hierzu auch die Seite zur "bakteriellen Endosymbiose der Zellen" auf dieser Homepage). Zusätzlich können sich Bakterien auch im lebenden Organismus besonders bei chronischen Krankheiten als sog. "Biofilm" etablieren.
Somit ist unser Körper auch ein Teil der Bakterienwelt; der Mensch besteht zu über 90% aus Mikroorganismen und anderen "Fremdlingen" (s.a. SPIEGEL-ONLINE vom 03.03.2010).

 

Frei lebende Bakterien besitzen die Fähigkeit, sich relativ schnell an ihr Umgebungsmilieu anzupassen, indem sie z.B. ihr genetisches Material austauschen. Diese Fähigkeit der Bakterien wird jedoch durch ihre "Verstaatlichung" in Form der Körperzellen stark eingeschränkt und verlangsamt. Somit dauert eine Anpassung von Menschen und Tieren an veränderte Lebensbedingungen sehr viel länger als bei frei lebenden Bakterien.

Ein groß angelegter Kampf gegen Bakterien bedeutet folglich auch immer einen Kampf gegen uns selbst, und wir können ihn nur "gewinnen", indem wir uns selbst zerstören.

 

Es ist eine Illusion zu glauben, dass wir in einem bakterienfreien Umfeld leben könnten; so wurden kürzlich in der Luft, die wir atmen, mit modernen wissenschaftlichen Methoden (DNA-Chips) über 1800 verschiedene Bakterienarten gefunden (DIE WELT vom 20. Dezember 2006). Auch auf der menschlichen Haut wimmelt es von Bakterien (DIE WELT vom 29. Mai 2009). Die moderne Mikrobiologie spricht sogar von einem "Superorganismus aus Mensch und Mikroben" (DIE WELT vom 11. Februar 2007).

 

Der Nobelpreisträger Joshua Lederberg weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass die Bakterien Menschen (und Tiere) keineswegs umbringen wollen, sondern dass wir in einem kooperativen Miteinander mit ihnen leben müssen. Spontanheilungen von Krebserkrankungen stehen übrigens oft in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit einer heftigen bakteriellen Infektion (DIE WELT vom 23. Januar 2008).

 

Bereits gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts hatte der französische Chemiker und Pharmazeut Antoine Béchamp behauptet (Béchamp, 1912), daß bestimmte Mikroorganismen unter genau festgelegten Bedingungen in unterschiedlichen Formen und Entwicklungsstadien auftreten können, von kleinsten Stufen bis zu den großen, hochentwickelten Stadien der Bakterien und Pilze. Er fand, daß alle tierischen und pflanzlichen Zellen kleinste Eiweißkörnchen („Microzymas") enthielten, die nach dem Absterben des Organismus selbst nicht zugrunde gehen, die Ursache für die Gärung seien und aus denen auch andere Mikroorganismen entstehen könnten. Diese Microzymas befänden sich in jedem Lebewesen, in Menschen, Tieren und Pflanzen, sie seien ewig und unzerstörbar und bildeten den Übergang zwischen nicht-lebender und lebender Materie. Unter bestimmter Einwirkung könnten diese Microzymas sich in Bakterien mit fäulniserregenden und gärenden Eigenschaften entwickeln. So hätten Krankheiten ihren Ursprung vorwiegend im Inneren des Körpers.

 

Im Jahr 1997 erhielt Stanley Prusiner den Nobelpreis für seine Entdeckung der "Prionen als ein neues biologisches Prinzip der Infektion".

 

Diese Prionen stellen jedoch wahrscheinlich nichts anderes dar als die von Béchamp vor über 100 Jahren entdeckten Mikrozymas.

Claude Bernard, französischer Physiologe und Zeitgenosse von Béchamp, bestätigte dessen Forschungsergebnisse und fand darüber hinaus, daß nicht die Mikroorganismen allein schädlich seien, sondern vor allem das Milieu, unter dem sie sich vermehren.

 

Ein weiterer Zeitgenosse am Ende des vorletzten Jahrhunderts war Louis Pasteur. Er behauptete, daß die Darstellungen von Béchamp und Bernard blanker Unsinn seien. Er bekämpfte diese Auffassungen im Einklang mit dem 1870 von dem Botaniker Cohn (Breslau) und von Robert Koch fundierten Monomorphismus ("jeder Bakterienart ist nur eine einzige Wuchs- und Erscheinungsform gestattet") und konnte sich dabei in damaligen (und zum großen Teil auch in heutigen) Fachkreisen durchsetzen. Gleichwohl hat Pasteur auf seinem Sterbebett gesagt: "Bernard hat recht; das Terrain ist alles, die Mikrobe ist nichts".

 

Im Jahr 1910 erbrachte A. Fontes (Brasilien), der seine Forschungen auf den Ergebnissen von Carl Spengler (Spengler, 1911), einem Mitarbeiter von Robert Koch, aufbaute, einen wichtigen Beweis für den Pleomorphismus der Bakterien. Er wies als Erster die Infektiosität bakterienfreier Filtrate von TBC-Bakterienkulturen nach.

 

Nach alten und neuen Untersuchungen entstehen pleomorphe Bakterienformen unter bestimmten Milieu- und Stressbedingungen (v.a. in Gegenwart von Antibiotika) sowie zusätzlich in Abhängigkeit von der Wachstumsphase der Bakterien (Lack u. Tanner, 1953; McMahon et al., 2007 b).

 

G. Enderlein (Zoologe und Mikrobiologe, Kustos am Zoologischen Museum der Universität Berlin, während des ersten Weltkriegs Mikrobiologe im Dienste der Deutschen Reichswehr in Stettin) berichtete im Jahr 1916 vor der Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin, über seine Forschungsergebnisse, die er während seiner Zeit als Heeresbakteriologe über die Entwicklung von Bakterien erlangt hatte. Wegen der kriegsbedingten Verhältnisse konnte seine diesbezügliche Monographie erst 1925 herausgegeben werden (Enderlein, 1925). Da er für die Mikrobiologie bisher unbekannte morphologische Gegebenheiten beschrieb, entwickelte er eine neue Terminologie, die jedoch das Verständnis der Abläufe stark erschwerte. Ein Überblick über Prof. Enderlein's Forschung aus heutiger Sicht besonders in bezug auf die chronische Borreliose findet sich auf Peter Schneider's isopathisch-homöopathischer Seite. Zahlreiche Videos zum Thema "Borrelia" finden sich z.B. unter "Google Video".

 

Seit der Entdeckung von Treponema pallidum, dem Erreger der Syphilis, im Jahr 1905 haben viele Mikrobiologen vermutet, dass Bakterien "Lebenszyklen" besitzen können, die sich teilweise außerhalb des Wirtes vollziehen (s.a. A.B. Macdonald (2006): "A life cycle for Borrelia spirochetes?", Med. Hypotheses 67(4): 810-818, >hier Artikel im Volltext bei ScienceDirect<).

 

Mikroben durchlaufen nach Enderlein einen artspezifischen Zyklus, wobei er mit dem Begriff "Cyclogenie" die Wandlung und Wanderung pathogener und apathogener Mikroorganismen durch alle Phasen ("Valenzen"), beginnend unter der Grenze der mikroskopischen Sichtbarkeit, dem Virusbereich, über die höhervalenten Phasen der Kokken und Stäbchen bis hin zu den "kulminanten" Phasen der Pilze bezeichnete. Dabei besitzt der Bakterienkern ("Mych") eine besondere Bedeutung; dieser war zwar bereits vor Enderlein bekannt, er wurde jedoch in seiner Funktion anders gedeutet. Nach dem von Enderlein formulierten "anatartischen Grundgesetz" hängt die Valenzsteigerung der Mikroorganismen von dem in Blut und Gewebe vorhandenen Milieu ab, das hauptsächlich durch den pH-Wert charakterisiert ist. Bakterien können sich entweder auf ungeschlechtlichem Wege durch Teilung oder Sprossung ("Auxanogenie") oder aber auch auf geschlechtlichen Wege nach vorausgegangener Kernverschmelzung ("Probaenogenie") vermehren. Die geschlechtliche Vermehrung ist nach Enderlein stets die Voraussetzung für eine Auf- oder Abwärtsentwicklung der Phasen.
40 Jahre nach Enderleins Entdeckung erhielt Lederberg 1958 den Nobelpreis für die Entdeckung der Polymorphie und der geschlechtlichen Vermehrung der Bakterien durch Kernverschmelzung (Lederberg, 1958). 

 

Neben der Bezeichnung der unterschiedlichen Entwicklungsphasen von Mikroorganismen wurde von Enderlein der Schimmelpilz Mucor racemosus Fresenius 1870 als wichtigster Symbiont ("Endobiont") der Warmblüter beschrieben. In seinen niedervalenten Stadien lebt der Endobiont nach Enderlein als physiologischer Regulator, in seinen höhervalenten Formen nimmt er in Abhängigkeit vom umgebenden Milieu einen pathogenen Charakter an. Eine solche Milieuveränderung mit nachfolgender Endobiose findet sich bei allen chronischen Erkrankungen. Die Endobiose durch höhervalente Formen des Mucor racemosus ist besonders durch Stauungserscheinungen gekennzeichnet (z.B. blutbezogene und venöse Erkrankungen, Wunden, Euterödem).

 

Enderlein fand auch, daß sich die höhervalenten, pathogenen Phasen des Endobionten unter gleichzeitiger Milieutherapie durch Zuführung niedervalenter Formen kopulativ in ihre apathogenen Phasen zurückführen lassen ("isopathische Therapie"). Diese Vorgänge lassen sich mit Hilfe der Dunkelfeldmikroskopie des vitalen Blutes verfolgen (Schwerdtle u. Arnoul, 1993; Bleker, 1997; siehe hierzu auch das Dunkelfeld-Video auf dieser Homepage).

 

Enderlein's Sichtweise des Mucor racemosus als zellulärer Symbiont hat sich nach heutigen Forschungsergebnissen zwar nicht bestätigen lassen (siehe hierzu auch die Seite über die "bakterielle Endosymbiose der Zellen"), dennoch haben sich die isopathisch-homöopathischen Arzneimittel nach Enderlein über viele Jahrzehnte als Bestandteil einer ganzheitlichen Regulationstherapie sehr bewährt.

 

Als Urheber der zweiten fakultativ pathogenen, jedoch im Gegensatz zur Mucorsymbiose nicht physiologischen Endobiose erkannte Enderlein den Schimmelpilz Aspergillus niger van Tieghem, der in seiner gesamten Polymorphie und phasenbedingten Pathologie als Verursacher des Krebses (Dechow, 1933) und als Erreger der Tuberkulose gilt.

Bereits früher hatten Tissot (1925, nach Enderlein, 1949) und Vaudremer (Institut Pasteur, Paris, 1927) den Tuberkelbazillus in genetische Beziehungen zu Schimmelpilzen der Gattung Aspergillus gebracht. 

 

Die Cyclode des Aspergillus niger ist nach Enderlein eine Abspaltung aus der Cyclode des Mucor racemosus  (Abb. 1).

 

Abb. 1: Hypothetische Abspaltung der Cyclode des Aspergillus niger aus derjenigen des Mucor racemosus (Arnoul, 1998; Rau, 1998)

 

Die niedrigvalenten Phasen von Mucor racemosus und Aspergillus niger werden nach Enderlein transplazentar übertragen.

Die höher- und hochvalenten Phasen des Aspergillus haben eine enge Beziehung zum Kalziumstoffwechsel und zur Zellatmung (Citratcyclus), und sie erzeugen beim Warmblüter chronische tuberkulinische Krankheitsbilder "rechts des biologischen Schnittes" (Reckeweg, 1975 u. 1980), wie z.B. die chronisch-rezidivierende Infektanfälligkeit, chronische, subklinische Euterentzündungen, degenerative Erkrankungen oder Krebs.

 

Die "tuberkulinische Konstitution" ist nach John H. Allen (1996) die stärkste von allen Krankheitszuständen oder -bedingungen überhaupt.

 

Nach Enderlein sind die "Basit"-, "Linit"- und "Ascit"-Stadien des Aspergillus die Kurz- und Langstäbchen des Sclerothrix tuberculosis Koch 1882, säurefest und nicht-säurefest, deren Züchtung er in allen Phasen beschrieb (Enderlein, 1959). Es ist anzunehmen, daß auch Mykoplasmen, die nach Mattman (Mattman, 2001) von CWD-Formen (s.u.) morphologisch kaum zu unterscheiden sind, bestimmte höhervalente Formen der Aspergillus-Cyclode darstellen.

 

Später als Enderlein beschrieb Harmsen ebenfalls Formen von Mycobacterium tuberculosis, die von der schlanken Stäbchenform abwichen: Verzweigungsformen, Granula, säurefeste und nicht-säurefeste Formen, Mycelbildung, Kernäquivalente und Vakuolenbildung (Harmsen, 1952).

 

Ebenso wie die niedrigvalenten Phasen des Mucor racemosus allgemein für die Behandlung von Stauungen im Organismus geeignet sind, lassen sich tuberkulinische Erkrankungen nach Enderlein isopathisch besonders effektiv mit niedrigvalenten Phasen des Aspergillus niger behandeln. Da die Aspergillus-Cyclode nach Enderlein eine Abspaltung aus der Mucor-Cyclode ist, können Arzneimittel aus beiden Cycloden auch kombiniert verabreicht werden.

 

Einen sehr umfassenden Überblick über das Forschungsgebiet der polymorphen Symbionten vor allem im deutschsprachigen Raum gibt Windstosser (Windstosser, 1995).

 

Auch in englischsprachigen Ländern wurden vor allem in den letzten 40 Jahren intensive Forschungen zur Pathogenität polymorpher Mikrobenformen durchgeführt, wobei jedoch die Ergebnisse früherer Untersuchungen vermutlich wegen der Sprachbarriere nahezu unbeachtet blieben. Erst in jüngerer Zeit gibt es Bestrebungen seitens kanadischer Forschergruppen dieses Wissen zusammenzuführen (First International Symposium on Pleomorphic Microbes in Health and Disease, 18. / 19. Juni 1999, Montreal, Canada).

 

Die bisherigen Untersuchungen zu den Eigenschaften und zur Pathogenität der sog. "Cell Wall Deficient Forms" (CWD, zellwandfreie Formen) wurden kürzlich von Lida H. Mattman, em. Professorin für Mikrobiologie an der Wayne State University, Detroit, Michigan, zusammengefasst (Mattman, 2001).

 

Ebenso gibt es zwei Artikel von Amy Proal, in denen sie die Historie der Forschung an CWD und die Eigenschaften von CWD beschreibt.

Unter dem Begriff "CWD" werden heute die in der Literatur als "L-Formen, "L-Phasen" oder "Spheroplasten" bezeichneten Synonyme subsumiert. Ebenso umfasst CWD den bisherigen Begriff "Protoplast".

 

Zellwandfreie Bakterienformen werden zwar inzwischen von der naturwissenschaftlichen Forschung anerkannt; sie werden jedoch mit den  routinemäßig durchgeführten (tier-)medizinischen Laboruntersuchungen bisher nicht erfasst.

 

Abb. 2 zeigt zellwandfreie Bakterienformen in Humanblut in einem dunkelfeldmikroskopischen Bild. Die Elemente mit dem dicken, weißen Rand stellen Erythrozyten dar.

Abb. 2: CWD ("Mychite") im dunkelfeldmikroskopischen Bild
(aus Bleker, 1997)

 

CWD haben besondere Charakteristika, die den klassischen Mikroorganismen fehlen:

 

  • sie benötigen gewöhnlich Softagar, wachsen unter der Oberfläche und benötigen gealtertes, autoklaviertes Kulturmedium

  • sie wachsen typischerweise innerhalb von Erythrozyten

  • sie sind oft serophil

  • die meisten Arten wachsen am besten in hypertonischem und alkalischem (pH 7,8 - 8,0) Milieu

  • CWD sind in der Lage, zu klassischen Bakterienformen (CWC = cell wall competent forms) zu revertieren.

 

CWD lassen sich nur unter besonderen Bedingungen kultivieren, wobei das Kulturmedium stabilisiert werden muß mit Herzmuskelextrakt, 15% inaktiviertem Pferdeserum und 3,5% NaCl.

 

Folgende Beispiele des intraerythrozytalen Wachstums von CWD beim Menschen seien genannt:

 

normal und physiologisch

Staphylokokken, Bacillus licheniformis
(in ca. 30% gesunder Menschen)

Sarkoidose

Mycobakterien

Kaposi-Sarkom

Pilze

Nephropathien

lysierte Erythrozyten von 489 Patienten: dieselbe Spezies wie in Harnwegsinfektionen

Idiopathische Hämaturie

Streptokokken-ähnliche Bakterien; im Gegensatz dazu wuchsen bei Kindern mit nephrotischem Syndrom vermehrt Staphylokokken

Systemischer Lupus erythematodes

Bakterien mit Bezug zu Nierenerkrankungen

Morbus Crohn

Pseudomonas, Mycobakterien

Autoimmunerkrankungen

CWD agieren als Haptene und stimulieren die Bildung von hämolysierenden Antikörpern (Beispiel: paroxysmale Kältehämoglobinurie bei Syphilitikern)

 

Die Bildung von CWD aus Bakterien kann durch unterdrückende Maßnahmen induziert werden. So ist die Entstehung durch Antibiotika in-vitro möglich, z.B.:

 

Penicilline

Hemmung der Mureinsynthese: Brucella, Clostridia, E. coli, Haemophilus influenzae, Listeria monocytogenes, Proteus mirabilis, Salmonella gallinarum, S. typhi, Vibrio cholerae, Vitreoscilla

Streptomycin

Mycobakterien

Sulfonamide

Staph. aureus

Kanamycin,
Tobramycin,Chloramphenicol

Hemmung der Proteinsynthese, hierdurch Veränderung der Bakterienoberfläche: E. coli, Klebsiella pneumoniae, Bacillus megaterium, B. polymyxa, Serratia marcescens, Sarcina lutea, Staphylococcus aureus, Salmonellen, Shigellen, Proteus

Aztoreonam

(Monobactam) Oberflächenveränderungen von E. coli

Erythromycin

Staphylococcus aureus (und mind. 40 andere Makrolidantibiotika, wie Leukomycin, Oleandomycin, Spiramycin, Tylosin)

Tetracycline

Staph. aureus, E. coli, K. pneumoniae, B. megaterium, B. polymyxa, Serratia marcescens, Serratia lutea, Salmonellen, Shigellen, Proteus

 

Als ein Beispiel einer in-vivo-Induktion von CWD durch Antibiotika gibt Mattman die antibiotische Behandlung von Euterentzündungen durch Staphylococcus aureus bei Kühen an:

 

  • neben den klassischen Bakterienformen wurden auch die CWD von Streptococcus agalactiae, Staphylococcus aureus und Corynebacterium pyogenes als Ursachen der bovinen Mastitis nachgewiesen (Bergmann u. Böckel, 1989),

  • nach Behandlung von Staph. aureus-Mastitiden mittels Cloxacillin hörte die Ausscheidung von klassischen Kokkenformen innerhalb weniger Tage auf. Hingegen kontaminierten CWD-Formen von Staph.aureus die Milch noch über 30 Tage (Sears et al., 1987).

 

Da nicht nur die klassischen Formen der drei genannten Mastitiserreger euterpathogen sind, sondern auch ihre CWD, ist die Tatsache, daß sie noch über einen solch langen Zeitraum nach einer Antibiotikatherapie mit der Milch ausgeschieden werden, als bedenklich für die Eutergesundheit der betreffenden Kuh und des Bestandes zu werten.

 

Die möglichen gewebeschädigenden Eigenschaften von zellwandfreien Staph. aureus wurden an Ratten nachgewiesen, deren Lungen experimentell mit diesen Bakterien infiziert worden waren (Stoitsova et al., 2000). Für diese Versuche wurden die zellwandfreien Bakterien aus bronchoalveolären Lavageproben kultiviert. Die Infektionen verursachten in den Lungen Granulome, fokale Fibrosen und eine Zerstörung der alveolären Epithelzellen vom Typ I.

 

CWD von Staph. aureus sind sehr hitzelabil; daher besitzen sie vorwiegend in unerhitzten Lebensmitteln und in den daraus hergestellten Erzeugnissen eine lebensmittelhygienische Bedeutung. Allerdings ist in diesen Substraten das Milieu (s.u.) für eine Vermehrung ungeeignet. Andererseits weist Mattman nach einem Rückruf von ca. hundert Tonnen Butter in Großstädten der U.S.A. wegen eines erhöhten Staphylokokken-Enterotoxingehaltes darauf hin, daß toxinbildende CWD von Staph. aureus die Verursacher gewesen sein könnten, da keine klassischen, toxinbildenden Staphylokokken gefunden wurden.

 

In der Tierhaltung ist heute vor allem die Induktion von pathogenen CWD in-vivo durch Einsatz von Antibiotika ein Problem, weil antibiotikaresistente Mikroorganismen mittlerweile weit verbreitet sind und durch Antibiotika nicht mehr abgetötet werden können. Andererseits entziehen sich CWD auf Grund ihrer fehlenden Zellwand dem Immunsystem weitgehend und agieren nurmehr als Haptene. Daher sind zu ihrer Elimination besondere therapeutische Verfahren, wie die isopathisch-homöopathische Behandlung, erforderlich (Schneider, 1998).

 

Auf Grund der bisherigen Forschungsarbeiten ist festzuhalten, daß

 

  • Mikroorganismen ein polymorphes Erscheinungsbild haben können, von kleinsten viralen Strukturen bis zu Bakterien und Pilzen,

  • CWD von Mikroorganismen (Staphylokokken und Bazillen) physiologischerweise in den Erythrozyten gesunder Menschen vorkommen,

  • zellwandfreie Formen in-vitro und in-vivo unter bestimmten Milieuverhältnissen vorkommen und in-vivo pathogen sein können,

  • CWD pathogener Arten innerhalb der Erythrozyten parasitieren und daß sie dunkelfeldmikroskopisch im vitalen Blut erkennbar sind,

  • unterdrückende Maßnahmen bei Erkrankungen insbesondere durch Antibiotikatherapie zur Entwicklung von CWD führen können,

  • zellwandfreie Formen von Mycobakterien die eigentlichen Träger der tuberkulinischen Konstitution sind,

  • CWD zu klassischen Bakterienformen (CWC) revertieren können, nach Enderlein also ihre Cycloden in beide Richtungen durchlaufen können,

  • pathogene Formen von Mikroorganismen durch ihre apathogenen, regulatorischen Formen unschädlich gemacht werden können.

Charakterisierung des Milieus, unter dem sich CWD vermehren

 

Unter dem Milieu der Gewebe wird das Zelle-Milieu-System verstanden, wie es von Pischinger in seinen Eigenschaften beschrieben wurde (Pischinger, 1990).

 

Milieuveränderungen lassen sich auf verschiedenen Ebenen charakterisieren, wie z.B. mikroskopisch mit Hilfe der Dunkelfeldmikroskopie oder auf elektromagnetischer Ebene mit Hilfe der Bioelektronik nach Vincent (BEV).

 

Im dunkelfeldmikroskopischen Bild des nativen Blutes zeigen sich u.a. Formveränderungen der Erythrozyten bis hin zu stechapfelähnlichen Formen und veränderte morphologische Strukturen innerhalb und außerhalb der Erythrozyten (s. Abb. 3; Schwerdtle u. Arnoul, 1993; Bleker, 1997). Diese Strukturen wurden von Enderlein beschrieben, dokumentiert und benannt, und sie lassen sich gut reproduzieren. Die dunkelfeldmikroskopische Untersuchung erfordert ein Spezialmikroskop.

 

        Abb. 3: mäßig (oben) und stark (unten) "endobiontisch" belastetes natives Humanblut (aus Bleker, 1997)

Eine weitere Möglichkeit zur Milieucharakterisierung bietet die Bioelektronik nach Vincent.

 

Wie bereits vor über 100 Jahren bekannt, ist der wichtigste Milieuparameter das pH (Worlitschek, 1996).

Das pH stellt das Ionenpotential für Azidität und Alkalinität dar, und es ist der "magnetische Faktor" nach Vincent. Das pH beträgt im arteriellen Blut 7,40 - 7,45, im kapillären Blut 7,35 - 7,40 und im venösen Blut 7,30 - 7,35. Ein durchschnittliches Blut-pH von 7,20 wird als normal angesehen, es wird heutzutage jedoch kaum noch erreicht. Auf Grund regulatorischer Wechselwirkungen verhält sich das pH des Blutes umgekehrt zum pH der Gewebe, d.h. ein Blut pH von 7,5 entspricht einem Gewebe-pH von ca. 5,5. Nach Enderlein entwickelt sich der Endobiont im Blut bei einem alkalischen pH zwischen 7,20 - 7,50.

 

Ein weiterer wichtiger Milieuparameter ist das Redoxpotential. Die Bedeutung dieses Parameters wurde von dem amerikanischen Arzt W.F. Koch entdeckt (Koch, 1981). Koch war Physiologe und Pathologe, und er war zwischen 1919 und 1949 Direktor der Koch-Krebs-Klinik in den U.S.A. Er führte in die Krebsbehandlung und auch in die Behandlung von Euterentzündung (insbesondere solche, die durch Staph. aureus verursacht werden) die Behandlung mit homöopathisch aufbereiteten (D6 oder D9) Carbonylgruppen-haltigen Substanzen (z.B. Glyoxale, Chinone) ein.

 

Koch nahm an, daß Viren und Antibiotika als Pathogene im Stoffwechsel verankert würden, indem sie mit Aminogruppen von z.B. Kreatinin reagierten und Polymere bildeten, die vor allem die Funktion der Atmungskette beeinträchtigten. Er vermutete, daß die so erzeugte Hypoxie der Grund für die Entstehung von Krebs und anderen Erkrankungen sei. Daher entwickelte Koch homöopathische Präparate mit einem hohen Redoxpotential, um diese Hypoxie zu überwinden und die Verankerung der Pathogene zu beseitigen.

 

Der von Koch postulierte Wirkungsmechanismus seiner Präparate ließ sich bis heute nicht verifizieren, jedoch konnten Mäkinen u. Mäkinen (Mäkinen u. Mäkinen, 1982) in einem biologischen System zeigen, daß die Substanz Methylglyoxal - neben Glyoxal das wichtigste von Koch angewandte Arzneimittel - photoverstärkende Eigenschaften besitzt, und zwar bei einer Wellenlänge von 300 nm.

 

Seit langem ist bekannt, daß wesentliche Stoffwechselvorgänge unter Emission von Lichtquanten stattfinden. Früher nahm man an, daß dies lediglich eine Begleiterscheinung chemischer Vorgänge sei, jedoch wurde von dem deutschen Physiker Popp mit großem technischen Aufwand nachgewiesen, daß Photonen bei der Kommunikation zwischen Zellen von großer Bedeutung sind (Popp et al., 1992). Das von lebenden Zellen in Form von Biophotonen emittierte Licht ist sehr schwach (ultraschwache Lumineszenz). Es zeigt jedoch im gesunden Organismus eine sehr hohe Kohärenz ähnlich einem Laser und besitzt daher eine hohe Resonatorgüte.

 

Die Kommunikation durch Licht zwischen zwei Zwiebelwurzeln beobachtete Gurwitsch bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Reiter u. Gabór aus dem Forschungslabor des Siemens-Konzerns in Berlin wiesen daraufhin 1928 nach, daß die Wellenlänge dieser Kommunikationsstrahlung im Ultravioletten exakt bei 338 nm liegt. Von besonderer Bedeutung war, daß sich diese Strahlung mit einer Bestrahlung mit schwachem Licht mit einer Wellenlänge von 300 nm antagonisieren ließ, genau dieselbe, bei der auch Mäkinen und Mäkinen biologische Eigenschaften gefunden hatten.

 

Unter Berücksichtigung der Photonenforschung ist anzunehmen, daß die Verabreichung Koch's homöopathischer Arzneimittel die Zellen zu einer verstärkten Lichtabgabe veranlaßt und somit entscheidend zur Wiederherstellung der Regulationsfähigkeit des Organismus beiträgt.

 

Neben einer Abwandlung des Redoxpotentials zu einem "elektrischen Faktor rH2" (rH2 =2 x pH + 30 x E [Elektronenpotential in mV]) führte schließlich der französische Hydrologe Vincent als dritten wesentlichen Milieuparameter die Leitfähigkeit, bzw. ihren Kehrwert, den spezifischen elektrischen Widerstand r [Ω], ein (Elmau, 1985). Wie pH und rH2 diente r ursprünglich der Beurteilung der Güte von Wasser; es zeigte sich jedoch bald, daß sich diese drei Meßgrößen auch gut zur Beurteilung biologischer Substrate eignen. Vincent erweiterte die Milieubeurteilung auf die gleichzeitige Messung der Parameter in Blut, Speichel und Urin.

 

Mit Hilfe dieser drei Parameter lassen sich für das Blut vier Quadranten des biologischen Milieus angeben (Abb. 4):

 

    Abb. 4: Bioelektronik nach Vincent - die vier Zonen des biologischen Terrains im humanen Blut (aus Elmau, 1985)

 

Das kleine Kästchen zwischen den Quadranten zeigt den Bereich der Gesundheit an; der Quadrant 3: alkalisch - oxidiert - hypertonisch bezeichnet das Milieu der sog. "tuberkulinischen Konstitution".

Es ist exakt der Bereich der chronischen Erkrankungen, in dem sich nach Mattman CWD bevorzugt vermehren (s.a. Inoue u. Suga, 2008); er ist durch starken zellulären Stress und damit durch eine erhöhte Freisetzung von freien Radikalen gekennzeichnet und disponiert nach Vincent zu chronischen Viruserkrankungen und degenerativen Prozessen. Die nach unten gebogene gestrichelte Linie innerhalb dieses Quadranten markiert den Bereich maligner Erkrankungen.

 

Vor einiger Zeit wurde an der Universität Göttingen mit dem "Goettingen Living Test" (GLT) ein indirektes Testverfahren entwickelt, mit dem beim lebenden Rind die Empfänglichkeit für BSE nachgewiesen werden kann. Dieser unspezifische Test nutzt den Nachweis zirkulierender Nukleinsäuren im Blut als Parameter für einen extremen Zellstress.

Dieses Testverfahren wird daher erfolgreich auch zur Früherkennung von Krebserkrankungen beim Menschen eingesetzt (Bremnes et al., 2005).

 

Wichtigster Einflußfaktor für Milieuveränderungen in Blut und Geweben ist die Ernährung, bzw. bei Tieren das Mißverhältnis zwischen Fütterung und Leistung. Weiterhin besitzen pflanzliche Futtermittel durch den Anbau auf ausgelaugten Böden heute vielfach einen Gehalt an natürlichen Nährstoffen, der nur noch einen Bruchteil desjenigen von vor einigen Jahrzehnten beträgt. Aus Erkenntnissen der Humanernährung ergibt sich, daß nachträglich der Nahrung zugesetzte Mineralien und Vitamine nicht die gleiche Verfügbarkeit besitzen wie natürlich enthaltene (Kollath, 1967).

Da ca. 80% des immunologisch aktiven Gewebes des Körpers im Bereich des Darmes zu finden sind, hat das veränderte Milieu unmittelbare Einwirkungen auf das Immunsystem zur Folge.

 

Aus der Humanmedizin ist weiterhin bekannt, daß insbesondere unterdrückende therapeutische Maßnahmen und Schutzimpfungen (Reckeweg, 1975; Elmau, 1985) das Milieu so nachhaltig verändern können, daß sie den Stoffwechsel in die chronisch-entzündliche Konstitution treiben.

 

So können bei Hochleistungskühen Fütterungsfehler und daraus resultierend Stoffwechsel-Dysregulationen am Ende der ineinandergreifenden Wirkungskette das Auftreten von Mastitiden begünstigen (DVG, 1994; Wendt et al., 1998). Im Rahmen dieser Dysregulationen kommt es zu Verschiebungen des Milieus in den Körpergeweben, wodurch die Vermehrung pathogener Mikroorganismen und die Entwicklung von CWD stark gefördert werden kann. Diese Veränderung hat u.a. zur Folge, daß euterpathogene Staphylococcus aureus zwar durch neutrophile Granulozyten phagozytiert werden; die Bakterien werden zum großen Teil jedoch nicht abgetötet, sondern sie leben als intakte Organismen in den Phagozyten weiter (Craven et al., 1986; Mayer et al., 1988). Durch ihre besondere Enzymausstattung sind Staph. aureus darüber hinaus in der Lage, in die Tiefe des Eutergewebes abzuwandern, wo sie für konventionelle Arzneimittel nur noch schwer erreichbar sind. 

 

Beziehungen zwischen zellwandfreien Bakterienformen, (Para-)Tuberkulose, Morbus Crohn und BSE

 

Mittlerweile leiden in den Milchviehherden in den westlichen Ländern über 50% der Kühe auf mindestens einem Euterviertel an einer subklinischen Euterentzündung. Dabei ist auf Grund der immer höheren Milchleistung und der damit immer stärker beanspruchten Stoffwechselleistung besonders Staphylococcus aureus beteiligt, der sich unter diesen Milieubedingungen sehr wohlfühlt. Ein sehr häufig eingesetztes Antibiotikum zur Behandlung von Entzündungen des Euters und anderer Organe ist Streptomycin. Es wird seit den Untersuchungen von Feldman u. Hinshaw (1944)  ursprünglich zur Behandlung der humanen und bovinen Tuberkulose eingesetzt.

Dieses und andere häufig angewandte Antibiotika besitzen als toxische Nebenwirkung eine Schädigung des 8. Gehirnnerven in seiner Peripherie. Der Nerv versorgt das Gleichgewichtsorgan und das Innenohr und mündet in das Stammhirn. Dieser entwicklungsgeschichtlich älteste Teil des Gehirns ist für die autonomen Vorgänge verantwortlich, wie Steuerung von Atmung, Blutkreislauf und koordinierter Bewegung, und er ist direkt oder indirekt mit allen Teilen des Zentralnervensystems verbunden.

 

Wegen der sehr schwierigen Behandlung von chronischen Euterentzündungen wurden und werden sehr große Mengen von Streptomycin auch vorbeugend über lange Zeit eingesetzt. Als Folge wird nicht nur das Gleichgewichtsorgan, sondern auch das Stammhirn der behandelten Tiere in Mitleidenschaft gezogen. Aus Untersuchungen an Chinchillas ist nämlich bekannt, dass periphere Schädigungen des 8. Gehirnnerven degenerative Veränderungen des Stammhirns zur Folge haben können (Morest et al., 1997). 

 

Eine weitere, sehr schwerwiegende Wirkung von Streptomycin ist seine Wirkung auf die Zellwand von Mycobakterien (Mycobacterium tuberculosis und M. avium paratuberculosis = MAP), den Erregern der Tuberkulose (auch bei Menschen) und Paratuberkulose des Rindes. Beide Erkrankungen verlaufen oft tödlich.

 

Ein Übersichtsartikel über zellwandfreie Mycobakterien findet sich bei Beran et. al,, 2006.

 

Unter der Einwirkung von Streptomycin werden die Mycobakterien auf Grund ihrer Antibiotikaresistenz nicht abgetötet, sondern es entstehen ihre zellwandfreien Formen (Mattman, 2001, Michailova et al., 2005), die das Immunsystem der Tiere nicht mehr ausreichend erkennen kann (siehe hierzu auch den Artikel von Hines u. Styer, 2003).

 

Auch bezüglich der konventionellen Therapie der in China weit verbreiteten Tuberkulose bei Menschen weisen Wang u. Chen (2001) ausdrücklich darauf hin, dass zellwandfreie Formen von Mycobakterien erst durch die antituberkulösen Medikamente selbst induziert werden können und dann entsprechend berücksichtigt werden müssen. 'Heteroresistente' Stämme von Mycobacterium tuberculosis zeigten in einer Untersuchung von Michailova et al. (2005) einen ausgeprägten Pleomorphismus, wobei diejenigen Bakterien, die resistent gegenüber Streptomycin und Isoniazid waren, neben der klassischen Form hauptsächlich in atypischer, granulärer, zellwandfreier Form vorlagen.

 

Die Paratuberkulose scheint sich schnell zu der Erkrankung des neuen Jahrtausends zu entwickeln (Broxmeyer, 2004). Sie ist mittlerweile bei Rindern in den "zivilisierten" Ländern sehr weit verbreitet. Nach "Animal Health Online" ist z.B. in Österreich inzwischen jeder fünfte Rinderbetrieb von Paratuberkulose betroffen.

 

In dem Untersuchungsmaterial zu einer Dissertation von Julia Elze aus dem Jahr 2009 waren 28,7% von 150 Schlachtrindern MAP-positiv, ohne dass die Tiere vorher klinisch auffällig waren. Bei dieser Untersuchung wurden nur die konventionellen Nachweise für zellwandhaltige Bakterien durchgeführt. Zellwandfreie Bakterienformen wurden nicht untersucht, so dass die Dunkelziffer für eine MAP-Infektion bei Schlachtrindern vermutlich wesentlich höher liegt.

 

In einem mit MAP infizierten Bestand können die Bakterien von einem Tier auf ein anderes übertragen werden, wie von Rind auf Rind (van Roermund et al., 2007) oder von Rind auf Katze (Palmer et al., 2005). Inzwischen wurden MAP auch bei an chronischem Durchfall erkrankten Hunden nachgewiesen (Glanemann et al., 2008).

 

Eine neuere Studie des U.S.-amerikanischen National Advisory Committee on Microbiological Criteria for Foods aus dem Jahr 2010 kommt zu dem Ergebnis, dass die Quelle von MAP bei anderen Tieren, Lebensmitteln und Wasser weitgehend eliminiert werden kann, wenn MAP bei Rindern kontrolliert wird.

 

Die Paratuberkulose hat enge Beziehungen zum Morbus Crohn des Menschen (siehe auch die Arbeiten von Sechi et al., 2005, Nakase et al., 2006 und D. Nacy u. M. Buckley: Mycobacterium avium paratuberculosis: Infrequent Human Pathogen or Public Health Threat?, Report der American Academy of Microbiology, August 2008). Epidemiologen haben inzwischen genügend Daten gesammelt, um den Zusammenhang zwischen Morbus Crohn und MAP zu belegen (Uzoigwe et al., 2007). Neue Untersuchungen konnten zeigen, dass eine Veränderung des "CARD15-Gens“ bei Menschen und Rindern zu einer erhöhten Empfänglichkeit gegenüber diesen Mycobakterien führt (Pinedo et al., 2008). Mittlerweile ist zur Gewissheit geworden, dass Mykobakterien bei der Entstehung von Morbus Crohn maßgeblich beteiligt sind (Stein, 2009).

 

Videos eines Interviews mit Professor Dr. Thomas J. Borody, australisches “Center for Digestive Diseases”, Sydney, über Morbus Crohn und ParaTbc sind bei YouTube zu sehen (auf engl.).

 

Aus naturheilkundlicher Sicht ist die Paratuberkulose, wie die Tuberkulose auch, eine "Licht- bzw. Lebensenergiemangelkrankheit" (Alexander Spengler; berühmter Tuberkuloseforscher, dessen Sohn Carl später Mitarbeiter von Robert Koch wurde). Ebenso erhöht ein Mangel an Sonnenlicht das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken (DIE WELT vom 19. Dezember 2007); aus naturheilkundlicher Sicht ist Lungenkrebs ebenfalls eine typische Erkrankung der "tuberkulinischen Konstitution". 

 

Normalerweise sind Bakterien hitzelabil, d.h. sie werden bei Temperaturen über 72°C abgetötet. Diese Hitzeempfindlichkeit gilt jedoch nicht unbedingt für Mycobakterien. Untersuchungen mit MAP an der Bundesanstalt für Milchforschung, Kiel, haben nämlich gezeigt, dass diese Bakterien auch wesentlich höhere Temperaturen überleben können (Hammer et al., 2000).

 

Kürzlich ist es tschechischen Wissenschaftlern von der Abteilung für Mikrobiologie des Veterinärmedizinischen Forschungsinstituts in Brno offensichtlich gelungen, lebensfähige Bakterien der Art Mycobacterium avium paratuberculosis in Babymilchpulver nachzuweisen. Sie fanden die Bakterien in 25 (49%) von 51 Milchpulverproben von sieben Herstellern aus sechs europäischen Ländern (Hruska et al., 2005).

MAP wurden ebenfalls in Käse aus Griechenland und Tschechien nachgewiesen (Ikonomopoulos et al., 2005).

 

Aus den genannten Untersuchungsergebnissen erscheint es darüber hinaus sehr wahrscheinlich, dass auch die spongiforme Enzephalopathie des Rindes (BSE), eine degenerative Erkrankung des Stammhirnes der Tiere (siehe Abb. 5), ihre Ursache primär in einer Milieuverschiebung im Bereich des Gehirns, bedingt durch Überlastung und toxische Einflüsse hat. 

 

 

In der Folge dieser Milieuverschiebung können sich die Erreger von Infektionskrankheiten, wie Tuberkulose und Paratuberkulose, in atypischer zellwandfreier Form ungehindert ausbreiten. 

 

Die mangelhafte Erhitzung von Tierkörpermehl und seine Verfütterung an Wiederkäuer ist darüber hinaus ein ideales Instrument für die Verbreitung von Mycobakterien.

 

Interessanterweise wurde im Gehirn von Menschen, die an den degenerativen "Prionenkrankheiten" Creutzfeldt-Jakob-Disease (CJD) und Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom (GSS) gestorben waren, eine positive Reaktion zwischen einem Antiserum gegen das Prionenprotein (PrP) 27-30 in den Amyloidplaques und Aspergillus gefunden (Peiffer et al., 1992).

 

Broxmeyer (Broxmeyer, 2004) fragt daher "Is mad cow disease caused by a bacteria?", und er stellt fest: "There is no known disease which better fits into what is occurring in Mad Cow and the spongiform enchephalopathies than bovine tuberculosis and its blood-brain barrier penetrating, virus-like, cell-wall-deficient forms".

 

Wie neuere Untersuchungen zeigen, sind Eiweißablagerungen darüber hinaus nicht unbedingt nötig, um BSE auszulösen (Barron et al., 2007), und die Bildung von PrP-Amyloid ist kein zuverlässiger Marker für die BSE-Infektiosität (Piccardo et al., 2007).

 

Auf der nächsten Abbildung ist der Wasserbüffel "Valentino" von der Büffelfarm Hatten in Zwiesprache mit seiner Besitzerin zu sehen. Bei diesen Rindern wurde bisher weltweit keine BSE-Erkrankung nachgewiesen.

 

 

Therapie zellwandfreier Bakterienformen

 

Unter den heutigen Produktionsbedingungen ist eine ganzheitliche tierärztliche Bestandsbetreuung, bei der auch die Prinzipien der Unterstützung der Selbstheilungskräfte der Tiere zur Überwindung von subklinischen Euterentzündungen und anderen chronischen Krankheiten genutzt werden, unabdingbar. Naturheilverfahren sind hierbei offenbar mindestens ebenso wirksam wie antibiotische Therapien, ohne allerdings deren Nachteile zu besitzen (Böhmer u. Schneider, 1999).

 

Mit Hilfe einer ganzheitlichen Therapie kann das Körpermilieu der erkrankten Tiere normalisiert werden, und zellwandfreie Bakterienformen können aus dem Körper ausgeleitet werden (Schneider, 2001).

 

Werden in unvermeidbaren Fällen Arzneimittel eingesetzt, von denen bekannt ist, dass sie das physiologische Milieu von Blut und Geweben beeinträchtigen können, wie Antibiotika, Chemotherapeutika oder Impfstoffe, sollten die entstandenen Schäden durch geeignete Maßnahmen, wie eine zusätzliche naturheilkundliche Therapie (Schneider, 1999), möglichst gering gehalten werden. Besonders der prophylaktische und ungezielte Einsatz von Antibiotika z.B. beim Trockenstellen von Kühen sollte wegen der möglichen Induktion von pathogenen CWD nur noch mit äußerster Zurückhaltung durchgeführt werden.

Zusammenfassung

 

Bereits vor über 100 Jahren war bekannt, daß es im warmblütigen Organismus zellwandfreie Formen von Bakterien gibt, die eine wichtige Funktion zur Regulation physiologischer Vorgänge, aber auch bei der Pathogenese vor allem chronischer Krankheiten besitzen.

 

Zellwandfreie Formen pathogener Bakterienarten (CWD) können innerhalb der Erythrozyten und Leukozyten parasitieren und entziehen sich aufgrund ihrer fehlenden Zellwand dem Immunsystem weitgehend. Nachdem diese Erkenntnis in der Human- und Tiermedizin über viele Jahrzehnte nahezu unbeachtet blieb, zeigen neuere Untersuchungen, daß CWD von pathogenen Bakterienarten in-vivo induziert werden können. Hierbei besitzt die Therapie mittels Antibiotika eine große Bedeutung. CWD werden mit der Milch ausgeschieden und bedeuten daher in Rohmilch und unerhitzten Erzeugnissen aus Rohmilch, aber nach neueren Untersuchungen offenbar auch in erhitzter Milch und ihren Erzeugnissen möglicherweise ein Risiko für den Verbraucher.

Mit Hilfe von Naturheilverfahren können pathogene CWD regulativ beseitigt werden. Ein Beispiel für eine naturheilkundliche Therapie ist die "Liminale Frequenztherapie".

Summary

 

Already over 100 years ago, the existence of cell-wall deficient forms of bacteria was established. CWD are important regulators of physiological body functions, but they also have a great importance for the pathogenesis of chronic diseases. Pathogenic forms are able to parasitize within erythrocytes and leukocytes, and they may evade the immune system due to their deficient cell walls. After this knowledge had been ignored in human and veterinary medicine for decades, more recent studies have demonstrated that CWD of pathogenic bacteria can be induced in-vivo. Especially the suppressive treatment with antibiotics is able to induce these forms. Pathogenic CWD can be excreted with milk, and in raw milk and its unheated products, and according to newer publications also in heated milk and its products they may therefore have a significance for the health of consumers.

Pathogenic CWD can be eliminated by naturopathic methods. An example for a naturopathic therapy is the "Liminale Frequenztherapie".

Literatur


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